Das Feuer und das rote Plaid
Es war Nacht.
Die Luft draußen war kühl, klar, beinahe still.
Nur das Feuer lebte.
Es knisterte, atmete, tanzte – als hätte es eine eigene Sprache.
Und davor saß die Schamanin.
Barfuß. Wach. Still in Bewegung.
Ihre Hände ruhten nicht wirklich, sie zeichneten Zeichen in die Luft, als würden sie etwas Unsichtbares ordnen. Das Feuer antwortete mit Flammen, die höher schlugen und wieder zurückfielen.
Ihr Blick war ruhig. Tief.
Und doch – in ihren blauen Augen spiegelte sich das Feuer so stark, dass es schien, als würde es dort weiterbrennen.
Hinter ihr lag ein Plaid.
Dunkelrot. Warm. Fast geheimnisvoll in seiner Tiefe.
Nicht laut, sondern dicht – wie Glut, die nicht mehr flackert, sondern hält.
Als sie sich bewegte, hob sie es auf ihre Schultern.
In dem Moment veränderte sich etwas.
Die Wärme des Feuers blieb nicht mehr nur vor ihr.
Sie kam zu ihr.
Das Rot des Plaids begann mit dem Licht zu leben.
Nicht sichtbar im Sinne von Bewegung – eher wie ein inneres Leuchten, das sich dem Rhythmus der Flammen anpasste.
„Du trägst das Feuer“, schien die Flamme zu flüstern.
Die Schamanin lächelte kaum merklich.
„Ich trage es nicht“, antwortete sie leise.
„Ich erinnere mich daran.“
Der Wind strich durch die Nacht, doch er kam nicht mehr an sie heran.
Nicht, weil etwas sie trennte – sondern weil etwas sie hielt.
Das Feuer vor ihr tanzte weiter.
Und in jedem Aufleuchten lag Kraft, Bewegung, Ursprung.
Doch etwas davon blieb nicht dort.
Es wanderte.
In ihre Augen.
In ihre Hände.
In das rote Plaid, das sich um sie legte wie eine zweite Schicht aus Wärme.
Nicht als Schutz vor der Kälte.
Sondern als Erinnerung daran, dass Wärme auch bleiben kann, wenn man sich vom Feuer ein Stück entfernt.
Und so saß sie dort –
zwischen Flamme und Dunkelheit,
zwischen Außen und Innen.
Getragen von etwas, das nicht verbrennt,
sondern leuchtet.
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