Das Plaid war ein Geschenk gewesen.
„Nur so“, hatte er gesagt.
Er stand noch im Türrahmen, Jacke halb offen, als er es ihr reichte. Dieses kleine, unscheinbare Lächeln – das sie so gut kannte und dem sie trotzdem jedes Mal wieder ein bisschen zu schnell vertraute.
„Du frierst doch ständig“, hatte er hinzugefügt. „Jetzt diskutier nicht.“
Sie hatte gelacht. „Ich friere nicht ständig.“
„Doch.“
Damit war das Thema erledigt gewesen. Zumindest für ihn.
Blau. Weich. Schwer in einer fast beruhigenden Art.
Und irgendwie… zu perfekt ausgewählt.
Jetzt lag sie darunter.
Allein in ihrer Wohnung.
Und das Plaid hatte beschlossen, sich zu äußern.
„Er hat dich gut beobachtet“, sagte die Stimme ganz ruhig.
Sie setzte sich abrupt auf. „Du redest über meinen Freund?“
„Ich rede über den, der mich hierher gebracht hat.“
„Das ist dasselbe.“
„Nicht unbedingt.“
Sie starrte ins Dunkel des Stoffes.
„Was soll das heißen?“
Eine Pause. Als würde das Plaid überlegen, wie ehrlich es sein wollte.
„Er hat dich nicht nur wegen der Kälte ausgesucht.“
Ein kurzes Schweigen.
Dann, leiser:
„Sondern weil er dich kennt.“
Sie zog das Plaid enger um sich, obwohl ihr plötzlich gar nicht mehr kalt war.
„Okay… das klingt jetzt ein bisschen gruselig.“
„Nein“, kam es prompt zurück. „Das klingt nach Aufmerksamkeit.“
Sie runzelte die Stirn. „Du bist ein ziemlich freches Geschenk.“
„Ich bin ein ehrliches.“
Das brachte sie kurz zum Schweigen.
Am nächsten Abend kam er wieder.
„Na? Hilft’s gegen Frieren?“, fragte er sofort, noch bevor er die Schuhe ausgezogen hatte.
Sie zögerte eine Sekunde zu lange.
„Ja“, sagte sie dann.
Er lächelte zufrieden. „Hab ich doch gesagt.“
Sie beobachtete ihn.
Wie selbstverständlich er sich bewegte. Wie wenig er ahnte.
Und dann, ganz leise unter dem Stoff, als sie das Plaid nur leicht verschob:
„Er hört nicht zu.“
Sie erstarrte kaum sichtbar.
„Was hast du gesagt?“, murmelte sie.
„Ich habe gesagt: Er hört nicht zu. Er sieht nur.“
Sie schluckte ein Lachen runter – oder vielleicht auch Nervosität.
„Das ist jetzt aber gemein.“
„Das ist Beobachtung.“
Als er später ging, blieb sie noch eine Weile auf der Couch sitzen.
Das Blaue lag ruhig über ihr.
Diesmal ohne Knistern.
Fast… zufrieden.
„Du mischst dich ziemlich ein“, sagte sie schließlich.
„Du hast mich eingeladen.“
„Ich habe dich nicht eingeladen, eine Meinung zu haben.“
„Doch“, kam es trocken zurück. „Indirekt schon.“
Sie lächelte in die Stille.
„Und?“, fragte sie nach einer Pause. „Was hältst du von ihm wirklich?“
Das Plaid schwieg einen Moment länger als nötig.
Dann:
„Er gibt dir Wärme.“
Sie nickte langsam.
„Aber?“, fragte sie, weil sie wusste, dass da noch etwas kam.
Ganz sanft:
„Aber nicht alle Wärme fragt, ob sie bleiben darf.“
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